Ense - Ense/Kreis Soest — „In der Schule verunglücken zwei Gebäudereiniger beim Fensterputzen, als die beiden Leitern zusammenstoßen und anschließend unter ihnen weg- rutschen. Auftrag: Ihr sollt die Betroffenen versorgen. Der Rettungsdienst ist noch nicht alarmiert.“ So lautet die Aufgabe. Sechs Schüler stehen um Mark Severin herum. Wenige Minuten zuvor hat Barbara Richwy, Notfallsanitäterin aus Wickede, die große Wunde an der Schläfe ihres Rotkreuz-Kollegen nicht versorgt. sondern beigebracht - mit reichlich Schminke. Severin ist nicht wirklich gestürzt, sondern hat sich in aller Rühe unter die Klappleier gelegt. Das wissen auch jene, die ihm jetzt Erste Hilfe leisten sollen — ist schließlich alles nur eine Übung. Sie schauen, ob der Mann ansprechbar ist: Ja, ist er. „Können Sie sich aufsetzen oder haben Sie starke Schmerzen?“, fragt ein Mädchen. Sie prüfen seine Vitalwerte, die dazu nötigen Geräte gehören zu dem Notfallset, mit dem die Schulsanitäter ihren Dienst versehen. Sie tun so, als würden sie die 112 rufen, und reden beruhigend auf das vor sich hin jammernde Fensterputzer-Placebo ein.
Der Schulsanitätstag findet jährlich statt, immer in einer anderen der weiterführenden 25 Schülern im Kreisgebiet. Diesmal ist er in der Conrad-von-Ense-Schule, angemeldet haben sich Schüler und Lehrkräfte aus Soest (Christian-Rohlfs-Realschule). Wer] (Ursulinengymnasium). Warstein (Europa-Gymnasium), Lippstadt (Realschule, Evangelisches Gymnasium) und Geseke (Gymnasium und Realschule Eringerfeld).Ein Schulsanitätsdienst (SSD) ist ein von Hilfsorganisationen, in diesem Fall dem Roten Kreuz, unterstütztes Projekt, bei dem geschulte Schüler bei Notfällen, Verletzungen oder Erkrankungen im Schulalltag Erste Hilfe leisten. Die Schulen sind nicht zu einem solchen Dienst verpflichtet, „aber wenn ich ihn haben möchte, Hilfe zu leisten. muss ich auch ermöglichen, dass er funktioniert“, meint Kevin Gukenheimer. Der junge Warsteiner kam einst über den SSD zum DRK. engagiert sich in Warstein und beim Jugendrotkreuz.
Entsprechend unterschiedlich sind die Schulen aufgestellt: Bei jenen mit Oberstufe versehen die Älteren den Dienst, bei den übrigens zwangsläufig jüngere Schüler. Einige werden per Walkie-Talkie zum Einsatz gerufen, andere über nicht internetfähige Diensthandys, wieder andere über eine App auf dem eigenen Smartphone. Die einen organisieren das als AG, andere als Projekt. Das Werler UG hat den Dienst noch nicht implementiert, will an diesem Tag den erfahrenen Kollegen über die Schulter schauen, die Enser befinden sich noch im Aufbau. Im Kreis Soest übernimmt in der Regel das Jugendrotkreuz im Kreisverband die Ausbildung = einfach deshalb, weil nicht alle Ortsverbände eine Jugendabteilung haben. Mit großem Team sind sie angerückt, inklusive Dr. Annette Meyers-Briese, die als frühere Kreisverbandsärztin ihren Nachfolger vertritt. Sie schulen die Jugendlichen in den einzelnen „Disziplinen“, bewerten sie nach einem Punktesystem und krönen die beste Gruppe - jedoch nicht schulweise, sondern in gemischten Teams. Sonst wäre es unfair, da einige Truppen bereits erfahrener und älter sind, außerdem würde es den Leistungsdruck erhöhen. mit der eigenen Schule als Sieger aus der Aktion hervorgehen zu wollen.
Auch der Wert der Preise ist überschaubar = es geht eher um Ruhm und Ehre als um eine Kaffeetasse und einen Gutschein fürs Schnellrestaurant.
Zur Gastgeberschule zählt die 14-jährige Laura Nuy: „Ich hatte mir selber mal in der Schule den Arm gebrochen, damals hatten wir den Schulsanitätsdienst noch nicht.“ Das wolle sie ändern, selber anderen in solchen Situationen helfen können. „Und weil es mich auch generell interessiert.“
Quelle: Soester Anzeiger, Bericht: KLAUS BUNTE
