Bremen: Als Heinz Schäckel seine mitgebrachte Aktentasche öffnet werden die Augen aller Anwesenden groß. Ein Zeitungsbericht von einer sehr realen Übung in Neheim und mehrere Ausweise aus einer Zeit, in der viele der jüngeren Mitglieder des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ense noch gar nicht geboren waren.
Gemeinsam mit Heide Hohmeier und Günter Menge stöbert Schäckel vorsichtig durch die Unterlagen. Alle drei sind bereits eine beachtliche Zeit Mitglied beim DRK. Aufhören wollen sie auf keinen Fall. „Dafür ist die Gemeinschaft und der Zusammenhalt einfach zu gut“, sagt Hohmeier, die seit 35 Jahren mit dabei ist. Sie fand den Weg dorthin durch Gründungsmitglied Hanni Pater, startete als Helferin für das Seniorencafé und machte anschließend den Übungsleiterschein für Seniorengymnastik. An das jetzige DRK-Heim war damals noch gar nicht zu denken, der Verein teilte sich auf vier Standorte in Bilme, Lüttringen und Bremen (zwei Standorte) auf.
„Ich war schon beim Roten Kreuz, als ich in der Schweiz einen Unfall hatte und mich Mitglieder des dortigen Weißen Kreuzes bis nach Hause gefahren haben. In solchen Situationen denkt man viel darüber nach, wie viel Hilfe tatsächlich geleistet wird“, erzählt die 82-jährige. Es habe auch viele gegeben, die sich beim DRK kennen und lieben gelernt haben. Einige Paare haben geheiratet.
Mit 16 Jahren fand auch Günter Menge im Jahr 1976 zum Verein. „Ich wurde damals von einem Arbeitskollegen angefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mich zuerst beim Jugendrotkreuz engagiert habe“, sagt er. Von da an ging es die Leiter Stück für Stück nach oben. Seit 50 Jahren ist er bereits Mitglied, seit 25 Jahren macht er – aus gesundheitlichen Gründen – den Hausmeister und den Fahrzeugwart. Im Jahr 1971 zog er von Haus Füchten nach Bremen und ist noch heute bei Einsätzen im DRK-Heim zur Stelle, um die Mitglieder zu unterstützen. Auch emotional.
„Es gab mal einen Unfall auf der Strecke von Neheim nach Lüttringen. Ich war bei diesem Einsatz nicht vor Ort, aber als unsere Mitglieder wiederkamen, waren sie sehr betrübt. Ich habe eine Kiste Bier auf die Theke gestellt und ihnen gesagt, sie sollen jetzt hier im DRK-Heim darüber sprechen und das Geschehene nicht mit nach Hause nehmen“, sagt der 66 jährige. Trotz aller Not habe er in seinen vielen Jahren auch enorme Hilfsbereitschaft in Einsätzen erfahren, so Menge Als im Sommer 2002 die Elbe über die Ufer trat, war der Ortsverband nach Magdeburg gefahren, um zu helfen. “Wir waren bei der Flutkatastrophe in einer Schule in Biere untergebracht. Die Leute von dort kamen zu uns und boten an, unsere Kleidung zu waschen.Das ist nicht selbstverständlich und wir rechnen es ihnen auch heute noch hoch an.“
Dass viele Mitglieder heutzutage schon nach zwei Jahren den Verein wieder verlassen, betrübt. Man müsse laut Menge in die Gemeinschaft hineinkommen und Freude an dieser Tätigkeit haben. Dann bleibe man auch hängen. Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Spaß an der Sache seien die wichtigsten Charaktereigenschaften für das DRK. „Von Anfang an war es hier der grandiose Zusammenhalt über die Jahre und das Zusammenarbeiten mit anderen Ortsvereinen und Gruppen, das uns weitergebracht hat“, sagt Menge. Heinz Schäckel ergänzt: „Wenn der Zusammenhall nicht gewesen wäre, dann würde hier alles gar nicht stehen.“ Er deutet auf die Mauern des DRK-Heims.
Der 85 jährige ist bereits 70 Jahre lang Mitglied beim Verein, hat, bevor er nach Ense kam, im Neheimer Bereich mit 15 als Helfer angefangen. Eine Familientradition, wie er sagt, denn alle aus seiner Familie waren beim DRK. 1977 kam er nach Ense und auch in den Vorstand des Ortsvereins, wo ihm bald in einem Berg von Unterlagen ein Brief der Gemeinde in die Hände fiel. „Es handelte sich dabei um ein kostenloses Grundstück, das uns zur Verfügung gestellt werden sollte. Es hat lange gedauert, bis es erschlossen war“, erinnert sich Schäckel. Der heutige Standort war damals unbebaut.
Als Erstes kamen Fertiggaragen. Auch Menge erinnert sich an den weiteren Verlauf der Arbeiten. „In Soest haben wir die alte Berufsschule abgebaut und die Teile nach Ense gebracht. Das Ständerwerk haben wir dort gelagert, wo heute die Stadthalle steht. Und zuerst haben wir das Dach gebaut und danach unser Haus darunter.“ Zwischenwände gab es vorerst nicht und die Toiletten waren mit Planen abgehangen. Richtfest wurde in den 1980er Jahren gefeiert. Mit vielen Händen und Zusammenarbeit wurde ein Heim geschaffen, das die Mitglieder als ihr zweites Zuhause ansehen. Auch, wenn es gerade saniert und renoviert wird, passiert das auch Jahre später noch immer zusammen.
Quelle: Soester Anzeiger, Bericht:VANESSA MOESCH
